Aktuelle Berichte

Sabine Wälchli

Der Bettag - ein staatlich verordneter Festtag

22357618353_15ab2f74f2_b<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-laupen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3479</div><div class='bid' style='display:none;'>13649</div><div class='usr' style='display:none;'>10903</div>

Es ist Bettag. Frauen ziehen mit Stolz ihre Festtagstracht an, der Jodlerchor singt. Die Kirche ist voller als an einem Durchschnittssonntag.
Sabine Wälchli,
Dabei ist der Bettag ein eigenartiges Fest: Es ist der einzige kirchliche Festtag, der nicht durch den christlichen Jahresfestkreis gegeben ist, sondern vom Staat verordnet wurde. Das war 1832.
An sich hatten Buss- und Bettage seit dem Spätmittelalter eine lange Tradition. Immer waren sie von den Eidgenössischen Tagsatzungen angeordnet worden, meist in Not- oder Krisenzeiten. Bis 1643 gab es regelmässig solche Bettage. In der Aufklärung traten sie in den Hintergrund. Bis 1797 die Schweiz unter dem Eindruck der Französischen Revolution erstmals einen ökumenischen Bettag abhielt. 1798 gab die Zentralregierung der Helvetischen Republik ein Bettagsmandat für das ganze Land heraus und 1832 beschloss die Tagsatzung, dass der Bettag immer am 3. Sonntag im September gefeiert werden soll.
Seine besondere Bedeutung erhielt der Bettag im Jahr 1848, als die heutige Schweiz gegründet wurde. Dieser Gründung war ein Bürgerkrieg, der Sonderbundskrieg, vorausgegangen, ein Krieg, in dem in der stark fragmentierten Schweiz verschiedene Gruppen gegeneinander ins Feld zogen. Der Bettag sollte den Respekt vor dem politisch und konfessionell Andersdenkenden fördern. Und jeweils zum Bettag gaben die Behörden offizielle Texte heraus, die in der Kirche verlesen werden mussten.
Ich habe es in meiner 25jähren Pfarramtszeit noch nie erlebt, dass ich von den staatlichen Behörden einen Text zum Vorlesen bekommen habe. Eher denn, dass die kirchlichen Behörden eine Botschaft herausgegeben haben. Aber seit Bettagsgottesdienste gerne ökumenisch gefeiert werden, halten sich die kirchlichen Behörden auch da zurück.
Und so kann man sich mit Fug und Recht fragen, ob denn der Bettag noch Sinn macht. Der Staat muss sich religiös neutral verhalten - da kann er eigentlich keinen Gottesdienst verordnen. Aber bis heute ist das Bettagsmandat nicht zurückgenommen worden.
Und dennoch bin ich der tiefen Überzeugung, dass der Bettag, nicht als politisch verordneter, sondern aus christlichem Glauben heraus, aktueller ist denn je.
Es tut in unserer vereinzelten Welt gut, über den Zusammenhalt in der Gesellschaft nachzudenken.
Es tut in unserer Zeit mit so vielen Herausforderungen Not, dass wir uns vor Gott stellen, ihm danken und Busse tun.
Und es ist gut, dass wir das in ökumenischer Gemeinschaft tun. Denn wir glauben gemeinsam an den Einen Gott und leben in dieser einen Welt.
Wenn der Bettag nicht einfach zu einer Folkloreveranstaltung verkommt, sondern seine ursprüngliche Dringlichkeit bewahrt, dann ist er aktueller denn je.

In Kerzers feiern wir den Bettagsgottesdienst ökumenisch, gemeinsam mit der katholischen Kirchgemeinde und dem EGW.
15. September, 9:30 Uhr in der reformierten Kirche Kerzers
Bereitgestellt: 15.08.2019     Besuche: 20 Monat 
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