Sekretariat Kerzers

Jahreslosung 2022

light-3176887_1280 (Foto: Sekretariat Kerzers)

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Joh 6,37
Pfarrer Matthias Galli,
Abgewiesen zu werden ist nicht schön. Unter Umständen kann eine Abweisung Menschen entmutigen oder deprimieren, erniedrigen oder demütigen, manchmal sogar wütend und zornig machen. Ja, niemand wird gerne abgewiesen. Gestellten Anforderungen nicht zu genügen, das ist eine zutiefst unschöne Erfahrung. Wer das schon einmal erlebt hat, weiss das.

Was für ein wunderbarer Vers tritt uns folglich mit der Jahreslosung 2022 entgegen. Was für eine frohe Botschaft aus dem Johannesevangelium! Bei Gott, da wird niemand abgewiesen.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Joh 6,37

Ein grösserer Zuspruch von Seiten Gottes ist kaum denk- und vorstellbar. Freier Zugang ohne Leibes- und Geistesvisitation. Grenzenlose Gastfreundschaft und Barmherzigkeit; bedingungslose göttliche Gnade. Ein Grund zum ausgiebigen Jubeln und Jauchzen?

Wäre da nicht der erste Teil des Verses. Weil da verbirgt sich die Crux an der ganzen Sache. Denn eine einzige, winzige, klitzekleine Voraussetzung sollten wir dann doch erfüllen. Nämlich diese: Wir müssen selber aktiv werden und auf Gott zugehen, damit dieser überhaupt bemerken kann, dass wir kommen. Denn ohne unser «Kommen», kann ja gar keine Begegnung stattfinden. Und ohne diese Begegnung können wir von ihm auch nicht willkommen geheissen bzw. «nicht nicht abgewiesen» werden.

Viele Meschen haben heutzutage bereits mit diesem «Kommen», diesem «auf Gott zu gehen» ihre grösste Mühe. Es werden täglich nicht weniger. Und es vergeht wohl keine Stunde, in der ich mich nicht selber frage, warum dem so ist? Was alles steht diesem «Kommen» im Wege? Ich weiss es nicht genau.

Liegt es vielleicht daran, dass einige Menschen heutzutage meinen zu glauben, sie hätten den Zuspruch Gottes nicht mehr nötig, weil sie denken, sie halten ihr Leben und die ganze Welt selbst in ihren Händen? Ist dem so?

Oder liegt es vielleicht daran, dass einige Menschen, zu übereifrig und zu verbissen, versuchen auf Gott zuzugehen, wodurch wiederum andere Menschen schlichtweg davon abgeschreckt werden, diesen Weg einzuschlagen? Ist dem so?

Oder liegt es vielleicht auch am sogenanntem «Bodenpersonal» Gottes, dass manchmal Vorbildlichkeit und Ernsthaftigkeit vermissen lässt und allzu häufig nur mit sich selber beschäftigt ist? Ist dem so?

Oder ist die frohe Botschaft in einer sich als vernünftig, modern und reflektiert haltenden Gesellschaft an und für sich einfach eine veraltete Botschaft? Ja, ist das Evangelium nicht mehr en vogue genug und nur noch von Nutzen im Sinne «pro specie rara» - für eine seltene Art?

Wie bereits gesagt, ich weiss es nicht genau.

Was ich aber glaube, zu wissen, ist dies: Es wäre doch so einfach, dieses «auf Gott zu gehen». Denn es benötigt so wenig! Sie müssen weder jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen noch die ganze Bibel lesen, geschweige denn auswendig lernen. Sie müssen sich weder durch spirituelle Geistesgymnastik noch durch meditative Körperübungen verrenken. Sie müssen weder Beten, Beichten, Singen, Pilgern noch sonst etwas. Und sie müssen auch weder die Kirche, noch Gottes Bodenpersonal toll finden. Wohl verstanden: Sie dürfen das alles – aber sie müssen nicht!

Das Einzige, was sie tun müssen ist dies: Öffnen sie einfach bewusst das Innerste ihres Herzens und ihres Geistes auf Gott hin – dann wird er ihnen selbst entgegenkommen und sie, wie in der Jahreslosung versprochen, nicht abweisen. Ein einziger kleiner Schritt. Es lohnt sich! Sie haben nichts zu verlieren!
Bereitgestellt: 12.01.2022     Besuche: 35 Monat