Sekretariat Kerzers

Jahreslosung 2026

Neuanfang (Foto: Sekretariat Kerzers)

«Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.»
Offenbarung 21,5
Sekretariat Kerzers,
Über dem Jahr 2026 soll als «Losung» ein Vers aus dem Buch der Offenbarung stehen: «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.»
Die «Offenbarung» ist für viele Menschen ein «Buch mit sieben Siegeln», «schwer zu verstehen», wie ich oft zu hören bekomme, oder hinter vorgehaltener Hand hat man mir auch schon gesagt: «Ich lese dieses Buch nicht, es ist mir zu niederschmetternd!»
In der Tat «chlepfts» und «tätschts» in diesem letzten Buch der Bibel so gehörig, dass es einem kalt den Rücken herunterlaufen kann. Doch all die geschilderten apokalyptischen Erschütterungen scheinen «nur» die Geburtswehen zu einer neuen Welt zu sein. Gegen Schluss des Buches blitzen Hoffnungsbilder auf und genau diese Worte: «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.»

Ich erinnere mich an zahlreiche Seelsorgegespräche. Viele Menschen wünschen sich ein «neues Leben», einen «Neuanfang», endlich befreit zu sein von dem Alten das plagt…
Ja, wir möchten neu werden, aber ohne Geburtswehen! Ohne dass es «chlepft» und «tätscht»! Neu, ja! Aber ohne Er-Neuerung, ohne dass wir etwas verändern müssten in unseren Leben!

Das «Neue» kann eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf uns ausüben. Spätestens wenn der Nachbar uns aus einem neuen Auto heraus zuwinkt, die beste Freundin in einem neuen Kleid erscheint oder der Arbeitskollege das neuste Handy vor uns auf den Tisch legt, erwacht in uns das Begehren, endlich auch wieder mal etwas Neues zu haben.
Ja, das Neue ist anziehend! Aber manchmal ist es eben auch beängstigend.
Was löst der Vers der Jahreslosung bei Ihnen aus? «Siehe, ich mache alles neu.»
Freudige Erwartung? Hoffnung? Oder Angst? Unbehagen?

Ich erinnere mich nicht nur an Seelsorgegespräche, in denen Menschen mir den Wunsch äusserten, dass «alles neu» werde, sondern auch an Gespräche, in denen mir unter Tränen berichtet wurde, dass das Alte weit besser war, als das Neue, das gekommen ist, und das man doch gar nicht wollte. Wie beispielsweise der Verlust einer Arbeitsstelle oder eines geliebten Menschen.
Mein Grossvater pflegte immer zu sagen: «Äs änderet immer u besseret nüt!»
Ja, wenn wir wissen, dass das Neue besser sein wird, dann wollen wir es. Aber wenn wir unsicher sind, dann bleiben wir lieber beim Alten, selbst wenn wir unter Umständen darunter leiden. Dann wird vielleicht etwas anders in unseren Leben und in der Gesellschaft, aber besser, wirklich neu, wird es nicht.

Gott verheisst uns, dass alles neu wird. Aber er verheisst uns auch, dass dieses Neue, Sein Neues, besser, gut, vollkommen sein wird! Nicht alles Neue ist besser, aber das Neue, das Gott uns schenken will, wird auch besser sein!
Paulus hatte diesen Glauben und diese Überzeugung, als er den Christen in Rom schrieb: «Ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem, der da glaubt.»
Das heisst: Gott verheisst Neues, eine neue Welt, ein neues, gutes Leben für Dich und mich – das ist das Evangelium, die frohe Botschaft, die auch Paulus verkündete –, und dieses Neue, das Gott verheisst, wird unser Leben «heil» machen, gut, vollkommen, friedlich, erfüllt. Selbst wenn es auf dem Weg dorthin «chlepfe» und «tätsche» mag, selbst wenn Dinge, Umstände oder auch Beziehungen dadurch so erschüttert werden, dass wir nur mit Mühe, Anstrengung, Mut, unerschütterlichem Vertrauen und grossen Geburtsschmerzen dorthin gelangen, so wird doch am Ende Friede sein. Und so schliesst auch das Buch der Offenbarung. Mit einer neuen Welt, in der Einheit, Gerechtigkeit und Friede herrscht.

Wer weiss, was das Jahr 2026 alles bringen wird. Wenn wir aber Gott vertrauen, dann können wir gewiss sein, dass es, auch durch Schwierigkeiten hindurch, am Ende gut sein wird!

Pfarrer Stephan Urfer, Kirchgemeinde Kerzers
Bereitgestellt: 01.01.2026     Besuche: 53 Monat